Nachlese zur Fachtagung:
Kostensenkung in der Produktion - ein ganzheitliches Vorgehen
am 10. Februar 2011 in der Sparkassenakademie Bayern, Landshut
Rasante Piste mit knirschendem Schnee auf der großen Leinwand der Aula; der Moderator und SVB-Bereichsleiter für Produktion, Thomas Huber, im Skidress; Udo Nörl als Trainer für eine rasante Kandahar-Kamerafahrt, Ski-Simulatoren an den Infoständen - Ski-WM Atmosphäre überall: "Analysen, Strategie, Training und Steuerung" sind die Stichworte der Ski-WM genauso wie in der Produktion (in der Marktfolge und im Markt).
Die Tagung setzte moderne, dialogorientierte Kommunikation ein, zum einen durch den Einsatz der TED-Technologie zwischen den Vorträgen und zum anderen durch die Beteiligung der Teilnehmer in Workshops: Die über 135 Teilnehmer und Mitwirkenden schätzten dabei mittels TED für ihre Sparkasse bis 2015
" zu 35% der Antwortenden ein Optimierungspotential in der Produktion von 10 % , die größte Gruppe von 41% der Antwortenden ein Potenzial von 20 % und immerhin 24 % ein Potenzial von 30 und mehr %
" das höchste Potenzial im Aktivgeschäft, gefolgt vom Passiv- und dann erst Wertpapier- und Verbundgeschäft und Zahlungsverkehr.
" Nur 14 % der Teilnehmer sahen in Ihrer Sparkasse die Modellorganisation im Kredit und Passiv/Dienstleistungen zu ca. 90% umgesetzt, 33 % zu 60% und 53% sogar nur zu 30%.
" Kaum 30% der Sparkassen steuern derzeit die Produktion in einem Zielkorridor einer Kennzahl (z.B. nach CIR-Kundengeschäft)
und wollen zu mehr als 80% eine Potentialanalyse auch im Vertrieb (analog der POTI Vertrieb und Personal).
Die Herausforderungen und die Erfolgsfaktoren in der Produktion erläuterte Prof. Rudolf Faltermeier, Vizepräsident des Sparkassenverbandes Bayern: In Erwartung deutlich sinkender operativer Erträge aus dem Kundengeschäft wird die Reduzierung des Verwaltungsaufwandes zum strategischen Erfolgsfaktor. Dabei geht die Schere zwischen den Sparkassen immer mehr auseinander: Wenn die restlichen Sparkassen in Bayern ihren Verwaltungsaufwand auf das Niveau der Besten 10) bringen könnten, ergäbe sich ein Einsparungspotenzial im Verwaltungsaufwand des Kundengeschäfts von ca. 13 % (oder 305 Mio. € pro Jahr). Der erweiterte Margenspielraum würde dann erlauben, z.B. die Zinsen für Sichteinlagen im Schnitt von 0,9% auf 1,5% zu erhöhen oder die Zinsen für Wohnungsbaudarlehen um durchschnittlich 0,9% zu senken.
Daher wurde aktuell in einem Vorstandsworkshop der besten Produktionssparkassen in Bayern gefordert:
" Bewährte Maßnahmen intensiver nutzen
Modellorganisationen als Basis für weitere Optimierungen
zielgerichteter Einsatz der Checks des SVB
FI-Automationsmöglichkeiten, schlank und konsequent einsetzen
Mitarbeiter im Veränderungsprozess noch mehr mitnehmen
" Lösungsbaukasten Produktion aufbauen, um u. a. mehr Standards und Benchmarks als Angebot zur Verfügung zu stellen
" IT noch selbsterklärender und anwenderfreundlicher gestalten, Voradministration und Releasemanagement optimieren
" Produktion als Managementaufgabe etablieren
mehr Transparenz durch POTI-Produktion und CIR-Kundengeschäft als strategischen Zielkorridor über 5 Jahre planen und steuern
Personalbestand aktiv managen
Komplexität in der Sparkasse durch Eingrenzung der Produkt- und Projektvielfalt und ggf. Outsourcing reduzieren
Um die Entwicklungsperspektiven zu schärfen, ging es danach um zwei Blicke über den Sparkassen-Tellerrand hinaus: Der Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie lässt dort viele Entwicklungen schon jetzt eintreten, die sich im Finanzdienstleistungsgewerbe erst abzeichnen: Automatisierung, stringenteste Modularisierung und Standardisierung: Roland Weisser, Werkleiter und Entwickler der Lieferanten bei ebm-papst ("rund um den Elektromotor"), die ein großes Werk auch in Landshut haben, ließ uns "Voneinander lernen am Standort Deutschland": Konsequente Verschlankung von mehr als 50 % in fünf Jahren ermöglichte dem Zulieferer für Automobile und Haushaltsgeräte trotz scharfer internationaler Konkurrenz zum einzig großen Elekromotorzulieferer in Europa aufzusteigen. Das Quäntchen mehr an konsequenter Durchsetzung von Werten wie Ordnung aber auch Flexibilität, von flachen Hierarchien und Prozesstransparenz. Besonderen Wert wurde darauf gelegt, über die Tätigkeits-Struktur-Analyse (PARES kompakt) hinaus, auch die Supply Chains zu den Verbundpartnern und Zulieferern zu optimieren. Roland Weisser beglückwünschte die Sparkassen zu ihrer derzeitigen Situation, zeigte aber auch mit den Worten: "Grabe den Brunnen bevor Du Durst hast" ein Skelett in der Wüste.
Das war Wasser auf den Mühlen des Leiters der Produktionsbank Westerwald Bank eG, Dr. Ralf Kölbach, der den Aufbau einer Produktionsbank als seinen Weg zur dauerhaften Optimierung lebendig beschrieb: Sein Bereich steigerte dabei die Effizienz seiner Produktion in vier Jahren um annähernd 30 % (bei intelligentem Spitzennachfrageausgleich) und erhielt den "POWER 2010"-Award des BVR. Besonders eindrucksvoll ließ er das Bild einer Produktion entstehen, die durch Eigenständigkeit der Personalauswahl und des Personaleinsatzes effizient wurde. Die erzielte Kostentransparenz legte als nächsten Schritt eine Steuerung auch der vorgelagerten Erfolgsfaktoren "laufende Auslastungsmessung" und "Einreicherqualität" nahe.
Vor dem Mittagessen ließ Udo Nörl von der Sparkassenakademie Bayern alle Teilnehmer eine Ski-Trainingseinheit mit anschließender "Abfahrt auf der Kandahar-Piste" auf der Großbildleinwand erleben. Viele Teilnehmer nutzen auch die Gelegenheit, professionelle Ski- und Snowboard-Simulatoren zu probieren, die zwischen den gut besuchten Infoständen der Dienstleistungsunternehmen DSGF, transactio, SDZ Südbayern, BHI und dwpbank aufgebaut waren.
Am Nachmittag verteilten sich die 135 Vorstände und Führungskräfte aus den bayerischen Sparkassen und Gemeinschaftseinrichtungen auf vier Workshops:
Mit den Sparkassendirektoren Matthias Benk, Richard Fank und Franz-Xaver Lindl und mit spontanen Diskutanten aus dem Teilnehmerkreis diskutierte Herr Günther Tittel, SVB, die strategischen Möglichkeiten und strukturellen Ausrichtungen der Sparkassen in der Produktion aus der Praxis und für die Praxis.
Sparkassendirektor Hermann Krenn erläuterte zusammen mit Dr. Mark Reinisch, SVB, rechtzeitige Personalrestrukturierungs-Maßnahmen und erarbeitete hierzu mit den Teilnehmern die zu tätigenden und zu vermeidenden Aktivitäten.
Professor Dr. Marcus Riekeberg und Bernd Pfreundschuh von der snc zeigten an Praxisbeispielen unter Beteiligung von Thomas Feneberg Vorgehensweisen zur Optimierung von Produktionsprozessen auf.
Unter Moderation von Peter Franko, SVB, rief zunächst der Geschäftsführer der FI, Michael Schürmann, auf, die vorhandenen und konkret geplanten Automatisierungsmöglichkeiten mit Regelwerken und vordefinierten GPS zu nutzen und anschließend vertiefte Herr Sparkassendirektor Dr. Klaus-Jürgen Scherr in einem Interview mit Rüdiger Schmidt von der FI die Automatisierungsvorgänge am Beispiel der automatischen Disposition.
Die aktive Beteiligung aller Tagungsteilnehmer machte die Veranstaltung spannend, sie wurde von den Teilnehmern sehr gut bewertet, genauso wie in bewährter Weise die Tagungsorganisation unter Frau Ingeborg Wenger. Nun gilt es für die Teilnehmer aus den Sparkassen und aus ihren Gemeinschaftseinrichtungen, die Themen weiter zu bearbeiten und die Ideen erfolgreich umzusetzen.
Dr. Johannes Reintjes, Sparkassenverband Bayern